18. Eintrag - Das stumme, innere Rumpelstilzchen.

Atmen, immer weiter Atmen.

Nimm einen Schluck von deinem Vanille-Cola Sarah, dann wird es besser.

Schau einfach geradeaus und lass dir nichts anmerken, dann fragt bestimmt auch keiner.

Sammel dich wieder und reiß dich zusammen, auch wenn es dich gerade beschissen ärgert.

Solche Dialoge führe ich regelmäßig mit mir selbst und ganz unbemerkt für die Außenwelt. Na wer weiß um was es geht?

Ätsch! Falsch geraten! Es geht nicht um eine meiner Panikattacken, sondern um Wut. Nämlich die Wut auf mich selbst.


Es ist schon eine Zeit her, dass ich mich mal wieder damit beschäftigt habe, was sich innerlich in mir ansammelt. Irgendwie spüre ich unterschwellig, dass es an der Zeit ist wieder einmal darüber zu sprechen. Aber nicht mit einer realen Person, auch nicht mit einem Tier, dass mir einfach zuhört. Der Gesprächspartner wird mein inneres Rumpelstilzchen, dass sonst eigentlich recht ruhig in seiner Ecke sitzt. Der Kloß in meinem Hals und der Knoten in meinem Bauch werden immer größer, wenn ich anfange daran zu denken mich mit ihm an einen Tisch zu setzen. Ich will nicht damit konfrontiert werden, was es mir zu sagen hat.


Warum es wohl so wütend ist? Ich hab doch alles richtig gemacht, also das dachte ich zumindest. Immer wieder hat er in den letzten Wochen fest aufgestampft und versucht meine Aufmerksamkeit zu erregen. Wieso habe ich nicht schon früher mit ihm gesprochen und es so nicht zu diesem riesigen innerlichen Drama kommen lassen!

Aber genug von dem hätte, hätte, Fahrradkette, es ist jetzt nun mal so und ich muss die aktuelle Situation wohl so annehmen.


Nein, ich ignoriere es einfach. Das Kloßgefühl im Hals wird schlimmer und schnürt mir die Luft ab.

OK, schlechte Idee! Das Rumpelstilzchen lässt sich scheinbar nicht einfach so ignorieren.

Es lässt mich einfach nicht in Ruhe, also muss ich dieses unangenehme Gespräch mit dem Wüterich doch führen und da scheinbar kein Weg daran vorbeiführt, muss ich mich wohl mit seinen Anliegen beschäftigen.


Das Rumpelstilzchen wartet auf eine Reaktion von mir. Also, dann hören wir uns an was du zu sagen hast.

Es sagt nichts. Na toll, und jetzt? Warum gibt es gerade jetzt wo ich reden will keinen Mucks von sich? Ich denke verbissen nach.


Langsam dämmert es mir, das Rumpelstilzchen will mir etwas mit seinem Verhalten zeigen.

Fassen wir die Fakten einmal zusammen. Immer wenn es auftaucht, weiß ich, dass etwas nicht passt, es sagt mir aber nie warum. Sein Verhalten kenne ich schon lange, zu lange.

Ich kenne es seit meiner frühsten Kindheit und immer wieder muckt es auf, wenn ich mich etwas unbewusst belastet.


Was will es mir heute sagen? Ich denke wieder nach.

Was ist die letzten Wochen passiert, dass mich so enorm emotional verunsichert?

Und nun schlägt es mir ein wie ein Blitz. Sarah, warst du wirklich so blind?

Ja, warst du Sarah, du hast dich vergessen. Du hast vergessen was du die letzten Jahre alles erreicht hast und bist aktuell trotzdem so unzufrieden mit dir selbst. Ich musste dich einfach immer wieder wach rütteln!, sagt es dann plötzlich als es merkte, dass ich begriffen hatte.


Was habe ICH denn schon erreicht?, fragte ich mich selbst.

Das Rumpelstilzchen schritt sofort ein: Denk doch nach. Du warst 2009 mit 13 Jahren schon am Boden deines Lebens und wolltest nicht mehr hier sein, weil du weder aus noch ein wusstest. Und heute? Sieh dich doch heute an. Du hast schlicht und einfach deinen Prozess vergessen, das was du schon geschafft hast. Du hast gekämpft und dich in Sphären hinauf gearbeitet die du dir mit deinen 13 Jahren nur erträumt hast. Bald bist du mit dem Studium fertig, hättest du je gedacht, dass du das schaffst?


Verdammt, hatte dieses Rumpelstilzchen recht mit dem, was es sagt. Ich habe meinen Mut in mich und mein Können verloren. Ich war immer eine Kämpferin, gar eine innere Kriegerin. Ich habe aber auch viel Glück gehabt und viele liebe Menschen die mir meinen Weg mit geebnet haben. Das Kloßgefühl wurde immer weniger und das ungute Gefühl in meiner Magenregion legte sich langsam wieder.


DAS war es also? Du wirst also immer wütend, wenn ich auf mich vergesse und mich verlieren könnte? Deshalb schickst du mir diese innerliche Wut?

Ja, du kommst ja alleine nicht drauf. Deshalb bin ich da und das werde ich immer sein. Trotzdem hoffe ich, dass wir uns nicht so bald wiedersehen, sagt es und winkte mir zum Abschied. Ich saß da und musste schmunzeln.


Ach Sarah, du bist ein Mensch der viele Notsituationen an anderen Menschen erkennt, aber bei dir schaffst du es nie. Danke dir Rumpelstilzchen! Du hast mich wieder daran erinnert was und wer ich bin.

Ich ließ mir vor kurzem ein Tattoo stehen, welches eine tiefe emotionale Bedeutung für mich aber auch für sehr viele andere Menschen mit einer psychischen Erkrankung steht. In dem Artikel, den ich hier gleich verlinke, ist die Bedeutung des Tattoos wohl auf den Punkt gebracht.

#psychischekrankheit #mentalhealth #semicolon #warrior #fightforyourself

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©2020 On my way to Peace of Mind by Sarah Vsetecka

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