6. Eintrag - Tabuthema psychische Krankheit.

Hallo ihr Lieben!


Seit langem überlege ich schon über dieses Thema zu schreiben, aber ich habe mich entschieden es nun zu tun.

Ich kann nicht sagen, warum ich nicht schon früher darüber geschrieben habe, vielleicht war ich einfach noch nicht bereit dazu. Jetzt bin ich aber bereit, mehr als bereit. Ich will es mir von der Seele schreiben und erzählen.

Ganz klar weiß ich, dass es ein heikles Thema ist, über das man eigentlich nie spricht und jeder, der davon betroffen ist weiß, dass man das auch gar nicht will. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen, dass ich durch Artikel und Blogeinträge oft Hilfe und Verständnis gefunden habe und gemerkt habe, ich bin nicht alleine.

Möglicherweise kennt der ein oder andere ja meine Situation und fühlt sich verstanden.


Mein Leben war nicht immer so wie es jetzt ist. Ich bin von klein auf mit einer psychischen Krankheit ‚gesegnete‘. Im Fachjargon sagt man generalisierte Angststörung. Später erreichten mich auch Panikattacken und diverse Zwänge. Schon als kleines Kind war ich sehr ängstlich aber erst mit 13 Jahren eskalierte das Ganze und ich hatte meine erste Panikattacke. Das war mitunter eine der schwersten Zeiten meines Lebens. Ich hatte glücklicherweise viel Unterstützung durch meine Familie und Freunde, allerdings war mein Kämpferinstinkt vermutlich der wichtigste Impulsgeber. Mit 15 Jahren machte ich dann auch noch Bekanntschaft mit Zwängen.

Aber, aber jetzt, geht es mir gut, ich habe noch diverse Ängste und hier und da auch eine Panikattacke, aber ich lebe fröhlich und weiß, dass ich am besten Weg bin.


Mein größtes Problem, von Kind an bis heute, ist die Offenheit gegenüber meiner Erkrankung. Das kenne ich nicht nur von mir, sondern viele Menschen, es wird schlicht nicht darüber gesprochen.

Ich stelle mir selbst die Frage: „Warum?“


Als Kind machte ich oft die Erfahrung, dass Kinder wirklich gemein sein können. Das Wort ‚Psycho‘ und dergleichen habe ich nicht nur einmal gehört. Ich will nicht Mobbing sagen, aber gehänselt wurde ich des Öfteren. Ich war anders, mein Verhalten war anders. Alles was in unserer Gesellschaft nicht der Norm entspricht wird, meines Empfindens nach besonders von Kindern und Jugendlichen überhaupt nicht angenommen und akzeptiert. Dadurch lernte ich aber, dass ich nicht jedem von meinen Problemen erzählen sollte. Ich wurde sehr introvertiert und dadurch vermutlich noch mehr im Hamsterrad.


Das Problem an dem ‚nicht mehr reden‘ war allerdings gravierend, denn nun erklärte ich nicht mehr warum ich Angst hatte oder warum ich gewisse Situationen nicht machen konnte und wurde wieder schief angeschaut. Die meisten Menschen verstanden mein Verhalten nicht, aber dafür konnten sie ja auch nichts, denn sie können schwer riechen, dass ich psychisch krank bin.

Erst im Zuge meiner ersten Therapie lernte ich, dass ich sehr wohl über meine Sorgen und Probleme sprechen muss, sonst wäre ich implodiert. Dabei war mir meine Mutter die größte Stütze. Und mein soziales Umfeld wurde auch wieder ein bisschen größer.


Mein Fazit aus meiner Erfahrung, sprecht darüber. Jeder in eurem näheren Umfeld sollte wissen, warum ihr in gewissen Situationen so handelt wie ihr es eben tut. Die Person muss es nicht verstehen, nur annehmen und informiert sein.

Das wichtigste dabei, keine Lebensgeschichte zu erzählen, sondern einfach kurz und knackig, sodass man es leicht nehmen kann.

Mir hat es enorm geholfen endlich offen meine Erkrankung auszuleben. Einfach kein Geheimnis daraus zu machen, es ist wirklich befreiend. Immerhin will ich - ich sein (zum Thema „ich sein“ hatte ich ja schonmal einen Eintrag verfasst - 5. Eintrag), denn ich habe lange genug versteckt.


Dort wo ich heute bin, dort bin ich nur, weil ich eine enorme Willenskraft und Kämpferin bin. Ich hatte bis jetzt einen komplizierten und kurvenreichen Weg.

Heute weiß ich, dass diese Kurven und alle meine Down’s auch einen Sinn hatten.


Offenheit und Ehrlichkeit sind so wichtig im Leben, denn erst dann werdet ihr sehen, wie schön das Leben sein kann.

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©2020 On my way to Peace of Mind by Sarah Vsetecka

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